Dokumentarfilme International

Dortmund: 28.1. - 19h / Köln: Filmpalette 31.1. - 19.30h / Brühl: 5.2. - 20h / Münster: 25.2. - 21h

CH/GB 2018 • 78‘ • OmU • Regie: Emma Davie, Peter Mettler

Es ist eine Welt, in der die Lebewesen, die sie auf unendliche Weise bereichern, den Vortritt haben und in die wir uns behutsam einfühlen -- mal aus der Vogelperspektive, dann wieder ganz nah, unmittelbar mit den Sinnen erfassend, wie die Schnecke, die ihre Fühler tastend in die Umgebung streckt. Denn nur so, heißt es in „Becoming Animal“, lassen sich Beziehungen herstellen zwischen dem, was wir sind, und dem, was uns umschließt: Mensch und Tier, Raum und Zeit, Körper und Intuitionen. Gemeinsam mit dem Philosophen und radikalen Denker David Abram begeben sich die schottische Dokumentarfilmerin Emma Davie und ihr kanadisch-Schweizer Kollege Peter Mettler auf eine faszinierend sensorische Entdeckungsreise in die Natur, um den Zuschauer anhand von Beobachtungen und Reflexionen zurückzuführen an einen Punkt, der die Abhängigkeit und Rückwirkung zwischen menschlichen und animalischen Kräften erneut greifbar macht.

Auf Tuchfühlung mit Büffeln, Raben, heißen Quellen und rauschenden Wäldern kommen sie dabei zu erstaunlichen Einsichten und Ansichten über das Hier und Jetzt und dessen viele Vorgeschichten. – Bildrausch 2018, Basel


Köln: Filmpalette 3.2. - 16h

Schweden 2018 • 117‘ • OmenglU • Regie: Jane Magnusson

Schon 2013 versammelte die Regisseurin Jane Magnusson andere Filmemacher wie Woody Allen und Francis Ford Coppola, um das Vermächtnis Ingmar Bergmans zu diskutieren. In ihrer neuen Arbeit, entstanden anlässlich Bergmans 100. Geburtstag, widmet sie sich der produktivsten Ära seines Schaffens, die 1957 begann: Bergman arbeitete an Wilde Erdbeeren, an Das siebente Siegel, später anSchweigen, inszenierte währenddessen und dazwischen für die Bühne – und war nicht zuletzt auch damit beschäftigt, seine zahlreichen Affären und Kinder zu managen.

Ein Film über Kreativität und Manie ist so entstanden, über den Preis, den große Künstler von sich selbst und ihrem Umfeld fordern. – Filmfest München

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Köln: Filmpalette 3.2. - 18.30h

CDN 2018 • 80‘ • engl. OV • Regie: Ron Mann

Nicht als Filmemacher, sondern als Gitarrenliebhaber und Freund betritt Jim Jarmusch das heimelige Geschäftslokal von Gitarrenbauer Rick Kelly im New Yorker Greenwich Village. Seit Jahrzehnten betreibt Kelly dort den pittoresken Shop Carmine Street Guitars, wo er Gitarren konstruiert: jede ein Einzelstück, jede ein Kunstwerk.Während Kelly also mit sicherer Hand Abstimmungen an Jarmuschs mitgebrachtem Instrument vornimmt, unterhalten sie sich über die verwendete Holzsorte. Die aus einem Trompetenbaum gefertigte Akustikgitarre wird zum Anknüpfungspunkt von Kindheitserinnerungen.

„Die Kamera gleitet über Bünde, Saiten, Gitarrenhälse, Volume-Regler und kunstvolle Schnitzereien, die mit geradezu fetischistischer Lust in Szene gesetzt werden. Was Kellys Arbeit vollends einzigartig macht, ist, dass er ausschließlich Hölzer aus alten Hotels, Bars, Kirchen und andern lokalen Gebäuden verwendet. Der Rockgitarrist Lenny Kaye, der wie viele andere Gitarrenstars zu den regelmäßigen Besuchern des Geschäftes zählt, sagt einmal: „It’s like playing a piece of old New York.“ - Viennale

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Bochum: 28.1. - 18h / Dortmund: 28.1. - 21h / Köln: Filmpalette 29.1. - 21h - Gast an allen Spielorten: Anja Kofmel

CH/KRO/D/FIN 2018 • 90‘ • Regie: Anja Kofmel

Christian Würtenberg starb 1992 in Kroatien. Obwohl der junge Schweizer als Journalist gekommen war, trug er die Uniform einer internationalen Miliz, die auf kroatischer Seite im Bürgerkrieg kämpfte. Lange blieb rätselhaft, warum er selbst zur Waffe griff. Seine Cousine, die Filmemacherin Anja Kofmel, hat sich dieser Frage gestellt.
Sie befragt Weggefährten und ergänzt die dokumentarischen Aufnahmen mit düsteren, aufs Wesentliche reduzierten Animationssequenzen, die das narrative Gerüst des Films bilden. Tief eintauchend in die politischen Wirrungen zeichnet der Film nach, wie Chris Teil der nationalistischen, von Opus Dei unterstützten Söldner wurde.

Ein politisch bis heutebrisanter, visuell beeindruckender Krimi, der zeigt, wie schnell die persönliche Haltung im Krieg versehrt werden kann. – Luc-Carolin Ziemann, DOK Leipzig

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Köln: Filmpalette 29.1. - 18.30h / Dortmund: 30.1. - 20 h / Bochum: 30.1. - 18 h / Düsseldorf: 31.1. - 19 h / Brühl: Fr. 1.2. - 20 h / Essen: Sa. 2.2. - 15 h / Duisburg: 7.2. - 18 h /
Münster: 24.2. - 17 h /
Gast: Hans-Erich Viet (außer Duisburg)

D 2018 • 105‘ • Regie: Hans-Erich Viet

„Der letzte Jolly Boy“ ist eine dokumentarische Reise, die den Holocaust Überlebenden Leon Schwarzbaum, Jahrgang 1921, über drei Jahre begleitet. In Bobrek, einem Außenlager von Auschwitz, leistet er Zwangsarbeit für Siemens. Schwarzbaum überlebt Auschwitz-Birkenau, Buchenwald und Haselhorst – sowie die Todesmärsche von Auschwitz nach Gleiwitz und von Sachsenhausen nach Schwerin. Im letzten Auschwitz-Prozess gegen den ehemaligen SS Mann Reinhold Hanning war Schwarzbaum einer der Zeugen bzw. Nebenkläger.

„Ein Roadmovie durch deutsche und polnische Geschichte und Gegenwart – mit einem Mann, der als Jugendlicher mit seiner „Boygroup“, den ‘Jolly Boys’, amerikanischen Swing interpretierte. Er spricht mit Gefangenen im Gefängnis Zeithain und mit Markus Lanz in dessen Talk-Sendung. Seine Energie zieht er aus der Erinnerung, auf der Reise mit dem Team von Regisseur Hans-Erich Viet. Mehrfach fährt der inzwischen 97-Jährige wieder nach Auschwitz, um zu begreifen, was nicht zu verstehen ist.“ – Filmfest Emden

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Köln: Filmpalette 30.1. - 18h / Brühl: 2.2. - 18h

SRB/F/QAT 2017 • 104‘ • OmU • Regie: Mila Turajlić

Eine Familie wird nach dem Zweiten Weltkrieg von Titos Kommunisten enteignet und ihre Wohnung in Belgrad aufgeteilt. Die Tür, die 70 Jahre verschlossen blieb, bildet den Ausgangspunkt einer familiären, politischen und historischen Chronik. Es handelt sich um die Familie der Regisseurin, verkörpert von ihrer charismatischen Mutter Srbijanka Turajlić, einer ehemaligen Mathematik-Professorin und wichtigen Figur des Widerstands gegen das Milosević-Regime in den 1990er-Jahren.

Srbijankas Tochter Mila beginnt Fragen zu stellen, die Kamera immer bereit. Die zugleich tiefsinnigen und amüsanten Gespräche der beiden Frauen bieten einen Einblick in die bewegte Geschichte eines Landes mit ihren Umbrüchen und politischen Veränderungen. Oft ist von bürgerlichem Engagement und der Verantwortung die Rede, die jede Generation trägt – die Verantwortung der Protagonistinnen, aber auch die der Zuschauer. LUX-Preis Nominierung 2018!

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Dortmund: 1.2. - 19h / Köln: Filmpalette 1.2. - 19.30h / Bochum: 2.2. - 19h

N/D/S 2018 • 80‘ • Regie: Karen Winther

Als Karen Winther wegen eines Umzugs alte Kisten in die Hände fallen, wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Vor zwanzig Jahren schloss sie sich einer rechtsextremistischen Organisation in Norwegen an, suchte dort das Abenteuer und Gleichgesinnte.

„Exit“ ist ihr Film, ihre Geschichte und doch weist die Handlung schnell in andere Richtungen, bleibt nicht im eigenen Gefüge verhaftet. Winther reist in die USA, um Frauen zu treffen, die sich ebenfalls im rechtsextremen Milieu bewegten. Sie sitzt mit einem ehemaligen linksextremen Aktivisten im Auto und unterhält sich über eine prägende Begegnung, viele Jahre zuvor. Sie lernt Ingo Hasselbach kennen, von dessen Ausstieg aus der ostdeutschen Neonazi-Szene Winfried Bonengels Film „Führer Ex“ handelt. Und sie kommt mit einem Ex-Dschihadisten zusammen, der seine Strafe in einem Pariser Gefängnis abgesessen hat. Neben überraschend verbindenden Motivationen und Erfahrungen teilen alle Schwierigkeiten, die mit ihren „Exits“ zusammenhängen, Schuldgefühle, aber auch Gefährdungen seitens noch aktiver Mitglieder. – Carolin Weidner, DOK Leipzig

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Dortmund: 28.1. - 17h / Köln: Filmpalette 31.1. - 21h Gast: Produzentin Gizem Acarla / Bochum: 1.2. - 19h Gast: Produzentin Gizem Acarla / Münster: 27.2.- 19h

AU/D/GB 2018 • 94‘ • Regie: Gabrielle Brady

Poh Lin lebt mit ihrer jungen Familie als Trauma Therapeutin auf der abgelegenen Insel Christmas Island. Ihre Aufgabe ist die Betreuung von Asylsuchenden, welche inmitten des undurchdringlichen Dschungels der Insel in einer Hochsicherheitsanstalt untergebracht sind. Die Insel ist ein von der Menschheit sehr spät besiedelter Ort. Die ersten Menschen siedelten hier vor weniger als einem Jahrhundert. Die eigentliche und ursprüngliche Bevölkerung bilden vierzig Millionen Landkrabben. Ausgelöst durch den Mondzyklus beginnen sie ihre fantastische Reise vom Inneren der Insel bis zu den schroffen Küsten. Als Poh Lin sich mit ihrer Familie aufmacht die geheimnisvolle und bedrohliche Insellandschaft zu erkunden, erwacht ein schauriges Drama: Die Inselbewohner zelebrieren für die verstorbenen Seelen der Insel die Rituale des “hungry ghost”. So bereiten sie Opfergaben, um die verlorenen Seelen zu besänftigen, die ohne ein angemessenes Begräbnis des Nachts rastlos umherwandern. Im intimen Schutz der Therapiesitzungen begegnet Poh Lin der sich materialisierenden Dystopie, während die Psyche der Patienten langsam an die Oberfläche stößt.

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Köln: Filmforum 25.1. - 20h Gäste: José Pablo Estrada Torrescano & Produzent Arne Birkenstock / Düsseldorf: 3.2. - 14h Gast: José Pablo Estrada Torrescano

MEX/D 2018 • 75‘ • OmU • Regie: José Pablo Estrada Torrescano

Als extravagante Beauty-Queen residiert „Mamacita“ in ihrem Anwesen, umgeben von treuen Hausangestellten, die der 95-Jährigen rund um die Uhr zu Diensten stehen. Durch effiziente Selbstvermarktung gelang es ihr aus dem Nichts ein Beauty-Imperium aufzubauen, dem auch ihre acht Kinder ihr ganzes Leben widmeten. Als ihr Enkel José Pablo nach Europa ging, um Film zu studieren, ließ sie sich von ihm versprechen, eines Tages einen Film über ihr Leben zu drehen. Jetzt ist José Pablo zurück in seiner Heimat, um sein Versprechen einzulösen. Doch bald entdeckt er unter der glattgebügelten Oberfläche längst verdrängte Familiengeheimnisse, die noch heute fünf Generationen der großbürgerlichen mexikanischen Familie prägen.

„Ein bewegendes Familienporträt, in dem sich die Grenzen von Fiktion und Nicht-Fiktion, Gegenwart und Vergangenheit auflösen, um den Weg für Versöhnung freizugeben.“ DOKfest München

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Köln: Filmpalette 30.1. - 20h Gast: Produzent Yair Qedar

mit freundlicher Unterstützung von:

SCHWARZER HONIG – DAS LEBEN UND DIE POESIE DES AVRAHAM SUTZKEVER

Israel 2018 • 76‘ • Regie: Uri Barbash

Kindheit in Sibirien, das Ghetto in Wilna überlebt, von Stalin zum Zeugen in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen berufen, in Tel Aviv Anwalt des Jiddischen als Literatursprache – die Biografie des Schriftstellers Abraham Sutzkever ist paradigmatisch für die schicksalhafte Geschichte Osteuropas und der osteuropäischen Juden. Die beeindruckende, mahnende Lebensgeschichte eines Mannes, der als Künstler aufwuchs und in den Überlebenskampf gezwungen wurde.
Der Film des israelischen Kultregisseurs Uri Barbash portraitiert einen Menschen, dem die innere Kraft der Poesie allen Schicksalsschlägen zum Trotz zum Überlebenswerkzeug wird.

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Bochum: 27.1. - 17h / Köln: Filmpalette 2.2 - 18h / Brühl: 3.2. - 11h

A 2018 • 93‘ • Regie: Ruth Beckermann

„Waldheim nein, Waldheim nein!“ skandiert eine Menschenmenge 1986 im Zentrum von Wien. Ruth Beckermann war eine der AktivistInnen, die die Wahl des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten verhindern wollten und begab sich mit Kamera und Mikrophon hinein in die Abgründe der österreichischen Seele. Mehr als 30 Jahre später analysiert sie mit ihren eigenen Bildern und mit einer Fülle an Archivmaterial diesen Wendepunkt der österreichischen Nachkriegsgeschichte.

Ein Film über Lüge und Wahrheit. Über „alternative Fakten“. Über individuelles und kollektives Bewusstsein. Gewinner Dokumentarfilmpreis Berlinale 2018!