Dokumentarfilme aus NRW

DIE KONFERENZ DER VÖGEL

D 2020 • 85’ • OmdtUT • Regie: Shahab Kermani

Die syrisch-katholische Gemeinschaft Al-Khalil ist bekannt für ihre Dialogarbeit und enge Beziehung zum Islam. Während des syrischen Bürgerkriegs wurden mehrere Mitglieder der Gemeinschaft von der Terrorgruppe ISIS entführt. Um der Verfolgung zu entgehen, fanden einige der Nonnen und Mönche ein neues Zuhause in der Stadt Sulaymaniyah im benachbarten Irak. Mit der Ausweitung des Konflikts nahmen sie viele geflüchtete Familien in ihrem Kloster auf. Als eines der verschiedenen, von der Gemeinde angebotenen Programme, fand ein Theater-Workshop statt. Die Teilnehmer entwickelten auf Basis des Buchs „Die Konferenz der Vögel“ des islamischen Mystikers Farid ud-Din Attar ein Theaterstück. Dabei verwoben sie die Sufi-Allegorien mit ihren persönlichen Erfahrungen. Es ist Sommer 2017. ISIS befindet sich auf dem Rückzug und bald werden die ersten Familien die Reise zurück nach Hause antreten. Es sind die letzten gemeinsamen Tage für diese Gruppe von Menschen verschiedener Herkunft und Glaubens, in denen sie das alltägliche Leben im kleinen Rosengarten miteinander teilen.


KÖLN
Filmhaus
Di. 1.2. – 20.00 h
Gast:
Shahab Kemani


D/F/Burkina Faso 2021 • 67’ • OmdtUT • Regie: Moumouni Sanou

In der Kreisstadt Bobo-Dioulasso, in der Nähe von Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou, geben Sexarbeiterinnen ihren Nachwuchs in die Obhut von Frau Coda, einer älteren Dame, die sich seit Jahrzehnten um Kinder kümmert, deren Mütter nachts auf der Straße ihr Geld verdienen. Dem Filmemacher Moumouni Sanou ist es über die Jahre gelungen, einen tiefen Einblick in das Leben von Odile und Farida zu bekommen, die beide auf die Dienste von Frau Coda angewiesen sind. Zärtlich und sehr genau beobachtet er alle Aspekte ihres Lebens: Hausarbeit, Freizeit, intime Momente des Mutterseins, auch ihre Beziehung zu Frau Coda und wie diese ihre Kinder erzieht. Im Mittelpunkt des Films stehen die Erfahrungen der Frauen. Männer und Väter sind abwesend, außer in den mal amüsanten, mal zutiefst erschütternden Geschichten, die Farida und Odile von ihrer Arbeit erzählen. Sanous zurückhaltender, respektvoller Blick macht die Vorzüge horizontalen Filmemachens deutlich, das sich durch größtmögliche Aufmerksamkeit und Sensibilität den Protagonisten gegenüber auszeichnet. Berlinale 2021


KÖLN
Filmpalette
Mo. 31.1. – 18.00 h


DORTMUND
sweetSixteen
So. 30.1. – 17.00 h


DÜSSELDORF
Metropol
So. 6.2. – 12.00 h


D/CUB 2021 • 77’ • OmdtUT • Regie: Julius Dommer

Es war als „Bauwerk des Jahrhunderts“ und Krönung der Ära Fidel Castro geplant. Mit sowjetischen Geldern finanziert, sollte auf Kuba das erste Atomkraftwerk der Karibik gebaut werden, die Insel aus der Energiekrise befreien und die Unabhängigkeit sichern. Doch das gigantische Projekt wurde nie fertiggestellt. Wie ein Phantom schimmert die riesige Betonkuppel am Horizont. Die nahegelegene Planstadt, die „Nuklearstadt“, ist heruntergekommen und von der Welt vergessen. Hier wohnen die Protagonist*innen des Films, deren Leben wie das ihrer Stadt in der Zeitlosigkeit gestrandet ist, geprägt von enttäuschten Träumen vom technischen Fortschritt. Der Regisseur begleitete Eva, Victor, Carlito und Pedro für einige Monate mit seiner Kamera und gewährt Einblick in ihren Alltag in der Geisterstadt, aber auch in ihre Sehnsüchte, Hoffnungen und Lebensgeschichten. Bitter-süße Beobachtungen an einem Ort, der in Zeiten von Energiewende und Atomausstieg zu einem Relikt vergangener Tage wird. Nordische Filmtage Lübeck 2021

KÖLN
Filmhaus
Fr. 4.2. – 20.00 h
Gast: Julius Dommer


MÜLHEIM
Rio Filmtheater
Sa. 29.1. – 17.30 h
Gast: Julius Dommer


DORTMUND
sweetSixteen
So. 30.1. – 13.00 h
Gast: Julius Dommer


BOCHUM
Endstation
So. 30.1. – 17.00 h
Gast: Julius Dommer


BRÜHL
ZOOM Kino
Mo. 31.1. – 20.15 h
Gast: Julius Dommer


DUISBURG
filmforum
Do. 3.2. – 18.00 h
Gast: Julius Dommer

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D/MEX 2021 • 92’ • OmdtUT • Regie: Paola Calvo & Patrick Jasim

Ciudad Juárez, die „Mörderstadt“, fordert jedes Jahr tausende von Opfern, wenn Drogenkartelle und Regierungstruppen im sogenannten „Drogen-Krieg“ aufeinanderprallen. Der Film ist ein intimes Porträt dreier mutiger Wrestlerinnen (Luchadoras) aus Juárez, die trotz Armut und des allgegenwärtigen Machismos in Mexiko für mehr Gerechtigkeit kämpfen – sowie für ein starkes und selbstbewusstes Frauenbild: die kleinwüchsige Mini Serinita, die davon träumt, eine Vollzeit-Luchadora zu werden und der Fabrikarbeit zu entfliehen, die so viele Frauen in Juárez entrechtet; Lady Candy, die vom Fenster ihres Hauses aus die Grenze zu den USA sehen kann, wo ihre Töchter leben; und Baby Star, die junge, alleinerziehende Mutter, die schon in jungen Jahren ein „Lucha Libre“-Star war. Mit mexikanischer Leidenschaft präsentieren sie ein Frauenbild, das stark, laut und selbstbewusst ist: Sie sind Luchadoras!

KÖLN
Filmhaus
Mi. 2.2. – 21.00 h

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D 2021 • 118’ • OmdtUT • Regie: Ulrike Franke und Michael Loeken

Ulrike Franke und Michael Loeken werfen immer wieder genaue und emphatische Blicke auf ihre Protagonisten. In ihrem neuesten Film beleuchten sie die Parallelen zwischen zwei Städten auf verschiedenen Kontinenten: Bochum im Ruhrgebiet und Detroit im Rust Belt der USA. Beide Städte wurden von der Autoindustrie geprägt. Und sowohl der Beginn als auch das Ende der Autoindustrie in Bochum wurden in Detroit besiegelt. Hier wie da sind die Menschen nach dem Ende des Industriezeitalters auf der Suche nach einer neuen Identität. Die Zuschauer*innen lernen sowohl die Bewohner*innen der beiden Städte kennen, deren Lebensrealität von den Entwicklungen bestimmt wird, als auch die Planer*innen, Wissenschaftler*innen und Politiker*innen, die alle große Versprechungen für eine mehr als ungewisse Zukunft verkünden. Trotz aller Unterschiede verbindet die Menschen in Bochum wie in Detroit das Verlangen nach einem würdevollen und glücklichen Leben, und die filmische Reise durch die beiden Städte wird zu einer Reise in die Herzen ihrer Menschen. Hauptpreis beim Kinofest Lünen 2021

KÖLN
Filmhaus
Fr. 28.1. – 20.00 h


BOCHUM
Endstation
Sa. 29.1. – 17.00 h


DORTMUND
sweetSixteen
Sa. 29.1. – 19.00 h


DÜSSELDORF
Metropol
So. 30.1. – 11.30 h


ESSEN
Filmstudio Glückauf
So. 30.1. – 14.45 h


BRÜHL
ZOOM Kino
Di. 1.2. – 20.15 h


Gäste in allen oben
aufgeführten Städten:
Ulrike Franke und
Michael Loeken


DUISBURG
filmforum
Mi. 2.2. – 18.00 h

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Köln: Filmpalette
Di. 29.6., 19 h
– anschl. Filmgespräch mit Laurenz Paryjas

MELANIE

D 2019 • 65‘ • Regie: Laurenz Paryjas & Nils Elis

Melanie ist siebenundvierzig Jahre alt und sie ist süchtig. Melanie sehnt sich nach einem ganz normalen Leben, doch die Drogen bestimmen ihren Alltag. Der tägliche Kampf zwischen Sucht und Einsicht, Klarheit und Betäubung treibt Melanie an den Rand der Erschöpfung.
Der Film begleitet Melanies von Drogen bestimmten Alltag über viele Monate und schafft in einer kaum zu ertragenden Nähe und Ehrlichkeit das vielschichtige Porträt einer Frau, die in ihrer verzweifelten Lebenssituation um ihre Würde kämpft. Dabei ist der Blick auf sie nie voyeuristisch, sondern unmittelbar und direkt zeigt er die Anstrengungen und Versuche von Melanie, sich ihrem Schicksal zu entziehen, ohne dabei die Widersprüche und das Selbstmitleid zu verheimlichen.

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Köln: Filmpalette
Mo. 28.6., 19 h

D 2020 • 79‘ • amh./oromo OV mit dt.UT • Regie: Daniel Kötter

In streng komponierten Bildern und einem Soundtrack, der die ursprünglichen Gespräche auf komplexe Weise miteinander verwebt, nimmt der Film die konkrete Geographie, Architektur und den Alltag einzelner Land- und Bauarbeiter*innen im Osten von Addis Abeba (in Oromo: Finfinnee) als Ausgangspunkt für eine allegorische Erzählung über die Urbanisierung afrikanischer Gesellschaften am Rande des Bürger*innen-Krieges. Der Film dokumentiert die ländlich-städtische Transformation des Weltraums und seine Folgen für das Zusammenleben am Beispiel von vier Siedlungen im Osten der schnell wachsenden äthiopischen Hauptstadt. Vier verschiedene Kulissen für den tiefgreifenden sozialen Wandel in Äthiopien, alle vier in Sichtweite voneinander, aber getrennt durch eine tiefe Kluft, die Stadt und Nichtstadt zwischen Gegenwart und Zukunft trennt.

DEFA-Förderpreis Leipzig 2020: „Für die Schönheit der Sicht des Regisseurs auf Äthiopien. Für seine Fähigkeit die Kamera zum Komplizen der Reisenden zu machen. Für die Menschlichkeit und Bescheidenheit, die sich aus dem Werk ergibt.“

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