STRANGER THAN FICTION #21 // ab 24. Januar in Köln / Bochum / Brühl / Dortmund / Duisburg / Düsseldorf / Essen / Mülheim / Münster



Liebe Freunde und Freundinnen des guten Dokumentarfilms,

die Demokratie in Deutschland ist eine Parteiendemokratie. Doch sind demokratische Prozesse in einer Partei auch im Jahr 2018 noch Ereignisse, die Medien wochenlang beschäftigen, und Mitglieder bejubeln ebenso lang, dass sie bei einer parteiinternen Wahl endlich mal eine Auswahl haben. Als Marie Wilke 2013 für die Recherche zu einem neuen Projekt über die Herausforderungen der modernen Demokratie ein Gerd-Ruge-Stipendium erhielt, waren Themen wie fehlende Volksnähe der Volksvertreter oder neuaufkeimende, rechtspopulistische Parteien medial weit weniger präsent als heute. Heute erscheint es manchen Beobachtern hier fast zu viel Beobachtung, dabei ist es wichtiger denn je, in Dokumentarfilmen, Fernsehbeiträgen, Online-Blogs oder Zeitungsartikeln aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen aufzugreifen und die Finger in die Wunde zu legen.

Der Wandel der Zeit erfasst viele Protagonisten der Dokumentarfilme, die wir diesmal für die 21. Ausgabe von STRANGER THAN FICTION ausgewählt haben. Selbst auf der endlegenden Insel Isla Fuerte vor Kolumbien, auf der der Kölner Filmemacher Markus Lenz seinen Film „El Cacique“ gedreht hat, sind der Klimawandel oder die Landflucht selbst geistlicher Würdenträger Problemfelder, die die Menschen beackern müssen. In mehreren Produktionen werfen FilmemacherInnen dabei einen Blick zurück in die Vergangenheit, auf Ereignisse und Tendenzen, die heute aktueller nicht sein könnten: Dabei geht es um die Bedeutung von bürgerlichem Engagement in Mila Turajlićs „Die andere Seite von allem“, dem ersten Dokumentarfilm, der für den LUX-Filmpreis des Europaparlaments nominiert wurde; um ehemalige links- wie rechtsgerichtete Aktivisten in Karen Winthers „Exit“; um Politiker mit zweifelsohne unzumutbarer politischer Vergangenheit in Ruth Beckermanns „Waldheims Walzer“; und vor allem um die Energie, die ein Holocaust-Überlebender aus der Bewahrung von Erinnerung in Hans-Erich Viets „Der letzte Jolly Boy“ zieht.

Viele der Filmemacher sind auch diesmal wieder nicht nur in Köln zu Gast, sondern gehen auf Reisen, um auch in den teilnehmenden Kinos in Bochum, Brühl, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Mülheim und Münster den direkten Austausch mit den Zuschauern zu suchen. Neben dem Werkstattgespräch zum Gerd Ruge-Stipendium mit Marie Wilke und ihrem nun fertigen Film „Aggregat“ präsentiert die Sektion „Dokumentarfilm International“ wieder zehn Filme, die auf nationalen wie internationalen Festivals für Furore sorgten. Fünf abendfüllende Dokumentarfilme und vier Kurzfilme von Filmemachern aus unserem Bundesland finden sich in der Sektion „Dokumentarfilme aus NRW“. In beiden Sektionen sind erneut Künstlerporträts präsent, vom rheinischen Lokalmatador Jürgen Zeltinger in „Asi mit Niwoh“ bis zur Künstlerinnengruppe „zart&zackig“ in dem gleichnamigen Porträt, und vom Filmkunst-Meister Ingmar Bergman in „Bergman – A Year in a Life“ bis hin zu Gitarren-Virtuosen in „Carmine Street Guitars“.

Wir hoffen, wieder eine bunte Vielfalt von wichtigen und relevanten Dokumentarfilmen aus NRW und aus der gesamten Welt für die diesjährige Ausgabe von STRANGER THAN FICTION entdeckt zu haben und wünschen unseren Zuschauern viel Spaß im Kino!

 

Joachim Kühn, Dirk Steinkühler